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Digitalen Nachlass regeln

19. April 2015 , Geschrieben von Admin

Erben und Vererben - digital

Viele Menschen machen sich rechtzeitig Gedanken, was mit ihrem „Hab und Gut“ nach deren Ableben passieren soll und wie sie es ihren Erben leicht machen können.

Die wenigsten denken dabei aber an die digitalen „Hinterlassenschaften“ wie Homebanking, Mail-Konten, Online-Versicherungen, Internetshops, Facebook und Skype, um nur einige zu nennen.

Die einfachste Möglichkeit besteht für den Vererbenden darin, die Zugangsdaten zu notieren und z. B. dem Testament beifügen. Achtung: Änderungen nicht vergessen!

Besser ist es, einen Passwortmanager (z. B. Alle meine Passworte) zu pflegen und den Zugang hierzu den Erben mitzuteilen.

Was aber, wenn diese Vorsorge nicht getroffen wurde?

Die Zeitschrift „Stiftung Warentest“ hat in ihrer Ausgabe 03/2015 dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht. Aus urheberrechtlichen Gründen können hier nur Auszüge veröffentlicht werden.

© w. Schwitalla

Digitaler Nachlass: So können Erben Onlinekonten auflösen

Anleitung zum Ordnen des digitalen Nachlasses: Fünf Schritte für die Erben

1. Passwörter suchen. Durchsuchen Sie die Unterlagen des Toten nach Passwörtern und

Zugangsdaten. Sie sind der einfachste Weg, um an die Webprofile zu kommen. Oft sogar der einzige. Gibt es Daten auf Notebook, Smartphone, Tablet oder PC?

2. Anbieter kontaktieren. Ohne Zugangsdaten sind Erben auf die Hilfe der Webanbieter

angewiesen. Es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Ebay, Facebook und Co. Soziale Netzwerke gewähren meist keinen Zugriff auf das Profil des Verstorbenen. „Löschen“ oder „In Gedenken erhalten“ sind gängige Optionen.

3. Urkunden beschaffen. Beschaffen Sie alle erforderlichen Dokumente, um sich als Erbe zu legitimieren: Sterbeurkunde (beim Standesamt des Sterbeorts, 5 bis 12 Euro pro Exemplar);

Geburtsurkunde (beim Standesamt des Geburtsorts, um 10 Euro); Erbschein (beim Nachlassgericht, meist Amtsgericht am Wohnort des Verstorbenen). Die Kosten des Erbscheins hängen vom vererbten Vermögen ab, bei 50 000 Euro Vermögen etwa 165 Euro.

4. Helfen lassen. Sie müssen nicht alles allein machen: Bestattungsunternehmen können Urkunden beschaffen und beim digitalen Nachlass helfen. Einige suchen sogar selbstständig nach Webaccounts.

Preis je nach Auftrag und Leistung: etwa 50 bis 250 Euro.

5. Sichern und löschen. Entscheiden Sie, welche Webaccounts des Verstorbenen Sie löschen, in Gedenken erhalten oder weiter betreuen möchten (falls möglich). Sichern Sie erhaltenswerte Fotos und wichtige Texte vor dem Löschen des Webaccounts.

© Stiftung Warentest 03/2015

Digitaler Nachlass: So können Erben Onlinekonten auflösen

Wenn ein Mensch stirbt – was wird dann aus seinen Spuren im Internet? Bekommen die

Erben Zugriff auf Facebook, Ebay, Twitter und Yahoo? Wie funktioniert das mit dem

digitalen Erbe, welche Dokumente sind nötig, und wie lässt sich der Nachlass schon zu

Lebzeiten vorbereiten? Eine Spurensuche mit unerwarteten Hindernissen.

Alles ist für immer

Paul ist tot. Herzinfarkt, ganz plötzlich. Er hinterlässt eine Frau – nennen wir sie Paula, zwei Kinder und sieben laufende Ebay-Auktionen. Paul twittert nicht mehr, aber seine Follower zwitschern: „@Paul: Was ist los mit Dir?“.

Er lacht noch von seiner Facebookseite, während die Nachricht von seinem Tod die Runde macht. Freunde posten „Wir vermissen Dich“. Darunter lädt der lachende Paul noch zu seiner Geburtstagsparty. Das Internet friert den Moment ein: Alles ist für immer. Wir sind es nicht.

Wenn der Mobilfunkanbieter auch nach dem Tod noch abbucht

Pauls Beispiel zeigt, was digitaler Nachlass bedeutet. Bei Facebook und Twitter gehen laufend Nachrichten ein, Ebay-Käufer warten auf Antwort, Paypal bucht Zahlungen für Waren, die verschickt werden müssen. Ein Dutzend Onlineaccounts schlummern – von den Erben noch unbemerkt – vor sich hin. Eben bucht der Mobilfunkbetreiber wieder 25 Euro von Pauls Konto ab. Das geschieht automatisch, Monat für Monat, auch über den Tod hinaus.

Protokoll eines Todesfalls

Wir haben einen Todesfall begleitet, bei Webanbietern recherchiert und protokolliert, was für die Erben zu tun ist.

Die Arbeit der Erben beginnt mit der Spurensuche: Welche Onlinekonten hat der Verstorbene hinterlassen? Wie lauten seine Passwörter? Wo entstehen Kosten? Welche Spuren im Internet sind für die Hinterbliebenen schmerzhaft?

Facebook bleibt hart

Paula möchte Pauls Partyeinladung bei Facebook löschen. Der naheliegende Wunsch stößt auf unüberwindliche Hürden. Paul hat sein Passwort mit in den Tod genommen. Seine Frau ist auf die Hilfe von Facebook angewiesen. Das Netzwerk fordert eine Sterbeurkunde oder den Link zu einer digitalen Todesanzeige. Auch als Paula die Urkunde beibringt, darf sie die Facebook-Seite ihres Mannes nicht bearbeiten. „Löschen“ oder „in Gedenken erhalten“ sind die Optionen. Zum Löschen wäre noch ein Nachweis als Erbe erforderlich.

Nur die Erinnerungsfunkton wird abgeschaltet

Paul hat die Seite über Jahre aufgebaut, es ist sein Onlineleben, das möchte Paula nicht einfach ausradieren. Sie wählt den Gedenkstatus. Pauls Seite bleibt erhalten. Einzelne Inhalte wie die Partyeinladung kann Paula nicht löschen. Facebook schaltet aber die Erinnerungsfunktion ab. So erhalten Pauls Freunde nicht laufend Geburtstagserinnerungen.

Vorsorgen ist besser

Alles wäre einfacher, wenn Paul vorgesorgt hätte. Mit seinen Zugangsdaten ließe sich die Facebook-Seite editieren. Doch ohne Passwort und Nutzernamen bleibt das soziale Netzwerk hart, die Erben bekommen keinen Zugriff auf das Profil des Verstorbenen. Facebook ist kein Einzelfall.

Ohne Sterbeurkunde geht nichts

Auch bei Twitter bleiben Erben außen vor. Selbst das Löschen des verwaisten Accounts gerät hier zum „Staatsakt“: Twitter fordert neben der Sterbeurkunde eine Ausweis- oder Führerscheinkopie des Erben sowie eine notarielle Beglaubigung, aus der die Kontaktdaten des Erben und seine Beziehung zum Verstorbenen hervorgehen. Paula soll die Kopien nach San Francisco senden, zum Firmensitz von Twitter. In einem möglichen Rechtsstreit gilt kalifornisches Recht. Wer die Hindernisse beim Löschen umgehen will, braucht auch bei Twitter

Nutzernamen und Passwort des Verstorbenen.

Bestätigungsmail an die Adresse des Toten

Bei Ebay kommen die Erben ohne Zugangsdaten ebenfalls nur stolpernd voran. Es gibt keine Vorkehrungen zur

Verwaltung eines Kontos im Todesfall. Paula nutzt das Kontaktformular von Ebay und gibt ihre eigene E-Mail-Adresse für Rückmeldungen ein. Ebay antwortet zwar schnell, schickt die Bestätigung über die eingeleitete

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Kontoschließung dann aber nicht an Paula – sondern an die im Account hinterlegte E-Mail-Adresse von Paul.

Im Postfach des Verstorbenen laufen die Fäden zusammen

Der Zugriff auf die Mails ist für die Erben besonders wichtig. Auf dem E-Mail-Konto des Verstorbenen laufen die Fäden zusammen: Bestätigungsschreiben für Onlinegeschäfte, Rechnungen und Erinnerungen an wichtige Termine. Bei GMX und Web.de können die Erben den Zugriff auf das E-Mail-Konto des Verstorbenen beantragen.

Voraussetzung sind ein Erbschein und eine Unterschrift des Erben.

Kein Zugang zu E-Mails bei Yahoo

Paula hat Pech. Ihr Mann war bei Yahoo. Yahoo gewährt keinen Zugriff auf das Mailkonto des Verstorbenen. Mehr als es löschen zu lassen, ist auch nach Vorlage amtlicher Dokumente nicht drin. Alle E-Mails und Benachrichtigungen verschwinden ungelesen. Darunter die wichtige Nachricht von Ebay über die eingeleitete Kontoschließung.

Auch Amazon mailt an Pauls E-Mail-Adresse, nachdem Paula als Erbin die Löschung seines Amazon-Kontos mit ihrer eigenen Mail-Adresse beauftragt hat.

Paypal hat ein Einsehen

Sechs Wochen nach seinem Tod ist Pauls digitaler Nachlass immer noch nicht abschließend geordnet. Paula braucht starke Nerven. Immerhin mailt Paypal nun an ihre E-Mail-Adresse und stellt die Auszahlung von Pauls verbliebenem Guthaben in Aussicht. Paula hat dafür Sterbeurkunde, Ausweiskopie und einen amtlichen Erbschein eingereicht.

Google+ mit Inaktivitätsmanager

Die Beispiele zeigen, wie wichtig Vorsorge für den digitalen Nachlass ist. Das soziale Netzwerk Google+ bietet seinen Nutzern sogar eine technische Lösung: den Kontoinaktivitätsmanager. Zu Lebzeiten können Anwender festlegen, wer nach ihrem Tod Zugriff auf das Profil haben soll. Google+ speichert bis zu zehn Personen, die es bei Inaktivität des Kontos automatisch benachrichtigt. Nach welcher Zeit das geschieht, bestimmt der Eigentümer des Profils. Wer möchte, kann die Software auch so einstellen, dass sie das eigene Webprofil nach einer vorgegebenen Zeit ohne Aktivität automatisch löscht.

Facebook-Nutzer können Vertrauensperson bestimmen

Facebook führt in den USA im Februar eine ähnliche Technik ein: Anwender können eine Vertrauensperson bestimmen, die im Fall ihres Todes beschränkten Zugriff auf ihr Profil bekommt. Wann die Technik nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest.

Im Zweifel helfen handschriftliche Notizen

Paula managt jetzt selbst: Sie hat ihre eigenen Onlineprofile zusammengestellt und die Passwörter in einem Programm zur Passwortsicherung gespeichert. Sie hinterlässt handschriftliche Notizen und legt fest, auf welche Daten ihre Erben zugreifen dürfen. Ihre Kinder sollen es leichter haben mit dem Leben nach dem Tod.

© Stiftung Warentest 03/2015

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